Der Schuh ist ein
menschliches Kulturprodukt und kommt in dieser Form in der Natur nicht vor.
Der Mensch hat den Schuh als Schutz gegen Umwelteinflüsse wie Nässe und
Kälte sowie Verletzungen geschaffen. Im weiteren kamen dann auch modische
Aspekt hinzu, sowohl Form als auch Funktion des Schuhs wurde vom jeweiligen
Zeitgeist mitbestimmt. Das gipfelte darin, dass der Schuh nicht mehr an den
Fuß angepasst wurde, sondern der Fuß dem Schuh zu gehorchen hatte. Zu den
Vertretern, die insbesondere den weiblichen Fuß in Bedrängnis brachten,
gehört auch der moderne, spitz zulaufende Stöckelschuh mit hohem Absatz. Die
„negative Krönung“ des Zwanges, den man einem Fuß zumuten kann, stellt wohl
immer noch der chinesische Lotosfuß dar, der sich bis in unser Jahrhundert
hinein hielt und bei dem die Füße der kleinen Mädchen streng eingebunden und
verkrüppelt wurden, damit möglichst kleine Schuhchen darauf passten. Die
Frauen konnten zwar nur noch in Begleitung gehen, entsprachen aber damit
einem Jahrhunderte währenden Schönheitsideal.
98 Prozent der Kinder
kommen mit gesunden, unverkrüppelten Füßen auf die Welt. Als Erwachsene
haben dann nur noch 40 Prozent „unversehrte“ Füße. Eine Fehlentwicklung wird
häufig durch schlecht passende Schuhe begünstigt. Sicher gibt es Ausnahmen,
wo die Fußfehlform einer individuellen Veranlagung folgt, aber auch hier
wird das Fortschreiten einer Veränderung durch schlechtes Schuhwerk
begünstigt. Bei Naturvölkern gibt es praktisch keine vergleichbaren,
erworbenen Fußschäden, da diese keine Schuhe tragen. Natürlich ist die
Verletzungsgefahr und damit auch die Infektionsgefahr eines ungeschützten
Schuhes höher. Die Füße aber, die „in Freiheit“ aufwachsen, sind dafür viel
kräftiger und widerstandsfähiger.
Natürlich gibt es auch
angeborene Fußschäden wie Sichel-, Klump- oder Plattfuß. Aber mit einer
rechtzeitigen Therapie haben diese Fußschäden in der heutigen Zeit an
Schrecken verloren. Kinderfüße sind weich und formbar und sie wachsen rasend
schnell. Zum Zeitpunkt der ersten Schritte sind sie nur etwa elf Zentimeter
lang. Fünf Jahre später messen sie dann etwa zwanzig Zentimeter, das ist ein
Unterschied von vierzehn Schuhgrößen.
Das erklärt aber, warum
man alle zwei bis vier Monate kontrollieren sollte, ob die Kinderschuhe noch
richtig passen. Kinder merken oft nicht, wenn die Schuhe zu klein sind. Ihr
Nervensystem ist noch nicht so differenziert entwickelt, um kleine
Kinderschuhe als unangenehm oder schmerzhaft empfinden zu können.
Solange ein Kind noch
nicht läuft sollte man ihm auch noch keine Schuhe anziehen. Die ersten
Schritte sind auch oft noch recht tapsig und ungeschickt. Am besten
entwickelt sich der Fuß, wenn man soviel wie möglich barfuss läuft. So können
sich die Füße am besten entwickeln und auch die Muskulatur wird besser
trainiert.
Die potentielle
Lebensdauer für
Kinderschuhe steht
eigentlich im Hintergrund, denn das Kind wird den Schuh sowieso nur einige
Monate tragen können. Der Kinderschuh sollte leicht sein, damit das Kind
beim Laufen nicht ermüdet. Außerdem muss er alle Bewegungen mitmachen und
darf keine starre Sohle haben. Lacklederballerinas mit glatter, starrer
Sohle sehen zwar niedlich aus, sollten aber möglichst nur kurz getragen
werden. Besser sind auf jeden Fall Materialien wie z.B. hochwertiges Leder.
Wie findet man den
passenden Kinderschuh? Stellen Sie das Kind in Socken und möglichst am
Nachmittag (da ist der Fuß möglicherweise etwas größer) auf ein Stück Pappe
und zeichnen den Fußumriss. Dabei geben Sie vor allen Zehen jeweils zwölf
Millimeter dazu und schneiden die Pappe aus. Wichtig ist, dies bei beiden
Füßen zu machen, denn sie könnten unterschiedlich groß sein. Beim Schuhkauf
wird die Schablone dann probeweise in den Schuh gesteckt um zu prüfen, ob
die Größe passt. Außerdem haben gute Schuhgeschäfte auch ein Messgerät extra
für Kinderfüße. Es reicht nicht aus, durch Druck auf die Schuhkappe zu
überprüfen, ob genug Platz vor den Zehen ist. Viele Kleinkinder ziehen bei
der Anprobe die Zehen als Reflex ein. Lassen Sie das Kind etwas in dem Schuh
herumlaufen damit sich der Fuß entspannt und prüfen dann erst, ob er passt.
Manche Kinder mogeln auch etwas bei der Anprobe, weil ihnen ein bestimmter
Schuh gefällt.
Wichtig ist die Einfassung der Ferse, hier sollte der Fuß
besonders gut sitzen und nicht rutschen. An der breitesten Stelle des
Kinderschuh
s muss sich das Obermaterial
etwas vom Fuß abheben lassen. Dann hat der Fuß genug Bewegungsspielraum.
Mit Schnürschuhen kann der Schuh dem Fuß am besten
angepasst werden. Allerdings ist ein Klettverschluss bei Kindern, die noch
nicht selbst die Schuhe binden können, oft eine Erleichterung. Hier sollte
geprüft werden, ob das Kind den Schuh selbst mit dem Klettverschluss gut
fixieren kann.
Ein normaler Fuß braucht
kein orthopädisches Fußbett. Meiden Sie solche Schuhe, hierdurch wird der
Fuß des Kindes nur unnatürlich verformt. „Ausgelatschte“ Schuhe sollten auf
keinen Fall „vererbt“ werden. Eine Ausnahme kann hier bei Skistiefeln oder
Gummistiefeln gemacht werden, diese Schuhe passen sich den Füßen nicht an.
Ein etwas plattfüßiger, tapsiger, knickfüßiger Gang ist
für den Anfang noch normal. Regelmäßige Fußgymnastik, zum Beispiel Aufheben
von Murmeln mit den Zehen oder Greifübungen im Sand unterstützen genauso wie
das angesprochene Barfußlaufen die Entwicklung eines gesunden Fußes. Geben
Sie einem Kinderfuß die Möglichkeit, sich in Freiheit zu entwickeln, damit
er auch im Erwachsenenalter keine Probleme bereitet.
Dr. med. Stephan Hartmann
Facharzt für Orthopädie
Physikalische und Rehabilitative Medizin

Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Sagen Sie uns ruhig mal Ihre
Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen -
klicken Sie uns hier an...

Sie möchten diesen
Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf
"Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung"
anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende
Themenübersicht unnötiges Papier.
Sie möchten diesen
Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf
"Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung"
anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende
Themenübersicht unnötiges Papier.
Kaiser-Friedrich-Promenade
61348 Bad Homburg v.d.H.
Telefon:
0 61 72 - 10 30, Fax: 0 61 72 - 10 31 86
Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im
Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher
Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den
Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.